In Spanien

die folgende Wanderung ist zwar schon über eine Woche her, sollte aber dennoch nicht unerwähnt bleiben.  Es war die einzige größere Wanderung, die ich in meinem vergangenen Urlaub an der Costa Blanca gemacht habe.  Es war wieder einmal einer dieser trüben, wolkenverhangenen Tage, von denen wir  über zwei Wochen hinweg verwöhnt wurden, während in Deutschland das schönste Sonnenwetter war.  Ein Tag wie geschaffen für eine Wanderung.  Harry hatte eine schöne Route mit Schwierigkeitsgrad “Mittel” aus dem Rother Wanderführer Costa Blanca herausgesucht, und so machten wir uns mit dem Auto von Moraira auf ins Gebirge „Valle de Laguart“.  Bei Nieselregen ging es schon los,  zumindest Harry hatte eine Regenhose mit, die seiner um einiges kleineren Frau.  Dementsprechend eng saß das Teil auch, von hinten hatte er etwas von dem Zwerg in “Wenn die Gondeln Trauer tragen”.

Die Landschaft um uns herum wirkte bei dem diesigen Wetter schon recht eindrucksvoll, wir kamen kurz nach dem Start schon an einen Abstieg, der ziemlich tief in ein Flußtal hinunterführte. Dieser Abstieg war kein ganz normaler Fußweg, sondern es ging über den mozarabischen Weg, uralte Steinstufen, hinab. Es war insofern etwas beschwerlich, da die Stufen nicht in einer gesunden Schrittlänge hinunter führten. Für einen Schritt war es zu lang, für zwei normale Schritte zu kurz. Und es ging weit über die Stufen ins Tal. Wir passierten einen Wasserfall, der über viele Meter ins Tal stürzte. Harry, Monika und Simon, mit denen ich nach Spanien gereist war und die schon einmal an dieser Stelle gewesen waren, bemerkten,  dass der Wasserfall viel mehr Wasser als beim letzten Besuch führte. Die starken Regenfälle der Vorwochen hatten die Wasserfälle stark anschwellen lassen.  Meine Kamera hatte ich sehr bald weggepackt, da sie bei dem Nieselregen doch zu naß wurde. Das Fotografieren hätte sich ansonsten aber gelohnt.  Zum Glück haben Monika und Harry einige Fotos mehr gemacht.  Die Strecke war eigentlich sehr schön, nicht jedoch bei diesem Wetter.  Und nach dem Abstieg folgte natürlich  wieder der Aufstieg.

Und der war weniger spaßig. Nicht mehr über sichere Stufen, sondern über glitschig-nasse, zwei Fuß breite Pfade, die sich in Serpentinen auf der gegenüberliegenden Seite des Tals nicht gerade vertrauenserweckend den Berg hochwanden. Ein falscher Tritt,  und man wäre böse  einige Meter tiefer in den Abgrund gerutscht.  Dies war offensichtlich auch schon einmal einem Wanderer so passiert,  man konnte die Stelle gut erkennen, wo auch der schmale Pfad  in die Tiefe weggebrochen war.  Mir war jedenfalls die ganze Strecke über nicht gerade sehr wohl zumute, ich war froh, mir einige Tage zuvor einen Wanderstock gekauft zu haben,  der mir zumindest ein wenig Sicherheit gab.  Vom Weg sehen  tat ich recht wenig, zum einen, weil es um mein Augenlicht nicht zum Besten bestellt ist, zum anderen, weil wegen des Regens die Brille permanent beschlagen waqr.  Es war ein ziemlicher Blindflug, auf dem ich dankbar darüber war, dass die vor oder hinter mir gehende Monika  mir immer anzeigte, wenn gerade wieder eine gefährliche Stelle vor mir lag.

edenfalls waren wir alle Vier froh, als wir nach 4 1/2 Stunden wieder am Auto ankamen. Wenn auch wie begossene Pudel. Wir waren alle sowas von durchnäßt.  Jeder Fetzen Stoff, den wir am Körper runterhängen hatten,  triefte vor Nässe. Das Auto wurde zum Feuchtbiotop. Außerdem fuhren wir durch eine geschlossene Wolkendecke abwärts zurück ins Flachland. Diese Nebelfahrt ließ die Stimmung nicht unbedingt besser werden. Zuhause dann warfen wir die in Spanien recht spartanisch gehaltenen “Heiz-Generatoren” an,  die uns dann minutenlang ein wenig Wärme spendeten,  ehe die Sicherungen des maroden Stromnetzes wieder rausflogen. Ein Umstand, an den wir uns längst gewöhnt hatten. 

Das war unsere Spanien-Wanderung, die uns noch einige Tage insofern begleitete, dass wir unsere nicht trocknen wollende Wäsche auf drei Wäscheständern innerhalb der Wohnung betrachten durften. Aber ansonsten, eine schöne Wanderung. Schwierigkeitsgrad “Mittel”. Wie mochten die schwierigen Wanderungen wohl aussehen?

 

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