Herrlich, herrlich, he…

…rrlich
so war am Samstag unsere Wanderung von Rhöndorf am Drachenfels zur Löwenburg. Der Himmel an diesem Tag war wie gemalt, allerdings ziemlich monochrom. Das reine, ungetrübte Blau. Unsere Zugfahrt bis Rhöndorf über Köln dauerte, zumindest für mich, etwa zwei Stunden. Nicht ganz so ungetrübt wie das Blau, denn bis Köln hatte sich eine Firmenbelegschaft auf Betriebsausflug in den Zug verirrt. Die lärmten und lachten, um gleich mehrere Abteile mit dem Schall zu versorgen. Es kommt mir vor, als müsse man bei manchen Menschen nur einen Schalter umlegen, dann mutieren sie von Menschen zu Wahnsinnigen. In Köln hatten sie ihr Werk vollbracht und wechselten in einen anderen Zug als wir. Wir kamen dann in Rhöndorf am Fuße des Drachenfels an.

Die Strecke führte uns zunächst durch den Ort mit teils denkmalgeschützten Fachwerkhäusern und vorbei an einer kleinen Kapelle, in der wir einen kleinen, blumig verzierten Altar und eine kleine Orgel im hinteren Innenraum erkennen konnten. Weiter ging es am Ende des Ortes bergauf, vorbei an einem im Wald gelegenen Friedhof, auf dem der erste deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, begraben liegt. An einer Weggabelung, an die wir auf dem Rückweg auf der anderen “Zinke” wieder zurückkommen sollten, bogen wir nach links ab. Ein kleiner Bach, der uns bis hier an der Seite des Weges begleitet hatte, war nun verschwunden. Der gut ausgebaute Weg ging weiter bergauf in einen offenen, von viel Sonne durchfluteten Laubwald. Die Temperaturen hielten sich noch ganz gut in Grenzen, wir schwitzten trotz des recht steilen Beginns der Wanderung nicht allzu sehr. Eine Pause machten wir nur, um an einem der schönen Ausblicke durch den Wald ein Foto, etwa vom hinter uns liegenden Drachenfels zu machen. Ansonsten gingen wir so lange weiter und machten erst dann eine Ess- und Trinkpause, als wir fast an der höchsten Stelle der Steigung an einer schönen Bank angekommen waren, wobei wir allerdings nicht wußten, wie weit es denn nun noch bis zur höchsten Stelle war.

So sehr weit ging es nach dieser Pause aber nicht mehr, dann lachte uns schon der Löwenburger Hof an, ein Ausflugslokal, das am Fuße der bisher noch nicht zu sehenden Löwenburg liegt. Hier muß sich der Wanderer nun entscheiden: Besucht er vor dem Aufstieg zur Löwenburg das Lokal, um sich gestärkt auf den Weg zu begeben, zusätzlich aber das Gewicht von Essen und Trinken mit hoch nehmend? Oder schleppt er sich zuerst den Weg zur Burg hoch, um nach dem Abstieg eine wohlverdiente Pause auf der Terrasse des Löwenburger Hofs mit schönem Ausblick in die Landschaft zu machen? Wir jedenfalls haben uns gleich auf einen der schattigen Plätze gesetzt, eine Kleinigkeit bestellt und es uns gut gehen lassen. Wir wußten ja noch nicht um das, was noch vor uns lag.

Es ging dann nämlich steil über einen breiten Weg hoch zur Burg, immer in Windungen, damit man nicht sah, wie hoch man noch aufsteigen mußte , um die immer noch unsichtbare Burg zu erreichen. Vielleicht sah man sie aber auch nur nicht, weil es da nicht so sehr viel zu sehen gibt. Von den Mauern der Burg ist leider einiges zerstört . Der Weg dorthin lohnt sich aber allemal, da man einen grandiosen Ausblick von dort oben genießen kann. Immerhin liegt die Burg auf etwa 450 Metern Höhe, 100 Meter höher als der Drachenfels, dem man von dort oben unter sich sehen kann. Wir blieben eine Weile dort oben und machten Fotos, obwohl es leider etwas zu diesig für Fotos war. Die Burg war gut besucht, neben uns waren noch so einige Leute dort oben, unter anderem hatten zwei Väter bewundernswerterweise ihre kleinen Kinder in einem Bollerwagen den Berg hochgezogen. Alle Achtung, sie müssen ihre Kinder wahrlich lieben!

Nach dem Abstieg über die Zugangswege blieben wir auf dem zweiten Teil unserer Wanderung noch eine Weile auf für meinen Geschmack zu breiten und zu festen Wegen. Für Sonntags-Spaziergänger, die zur Löwenburg wollen, sind diese natürlich gerade richtig. Wir aber kamen endlich auf weichere, schmalere Waldwege, befanden uns auf einer Passage, die zum Rheinsteig gehört. Seitlich der Pfade ging es teilweise steil in Täler hinunter, der Weg war aber breit genug und ungefährlich. Ab der Löwenburg ging es nun fast nur noch bergab, wir mußten ja wieder auf die Höhe des Rheins hinunter. Nach dem leichten Rückweg kamen wir wider zu dem Friedhof, den wir auf dem Hinweg schon gesehen hatten und machten uns dort auf die Suche nach dem Grab von Adenauer. Das Grab war nicht zu verfehlen, denn eine Gruppe Holländer hatte sich auf ihm niedergelassen, was es unmißverständlich als das Grab eines deutschen Bundeskanzlers erkennen ließ. Dieselbe Gruppe begegenete uns kurz später noch einmal auf ihren Fietsen, als sie vom Besuch des Adenauer-Hauses in Rhöndorf zurückkehrten. Wir hatten das Haus auch gesucht, aber nicht gefunden. Hätten wir mal auf die Holländer gewrartet, die hätten uns den Weg schon gewiesen.

Bevor wir dann wieder in den Zug stiegen, haben wir uns noch eine halbe Stunde an den Rhein gesetzt und die warme Sonne genossen. Die Rückfahrt im Zug verlief dann fast ohne Komplikationen. Fast. Ich hätte es wissen müssen, man soll sich eben nicht überfordern. Als ich im Zug den letzten Zug aus meiner Wasserflasche nehmen wollte, geschah, was geschehen mußte: Ein Hustenanfall! Der Körper wehrte sich, weil er so viel Flüssigkeit nicht mehr gwohnt ist. Ich hatte sage und schreibe 0,8 Liter getrunken, was zu einem Hustenanfall bei diesem letzten Schluck führte. Ich hatte Grenzen überschritten, die ich nicht hätte überschreiten sollen. Wer weiß, wie es meiner armen Kollegin noch ergangen ist, die ihrem geschundenen Körper über 2 Liter zugemutet hat! Nun ja, man macht Fehler nur einmal. Einen Tag später, ich hatte das gröbste überstanden, nahm ich auf die nächste Wanderung nur meine 0,3 Liter Flasche mit, die ich am Ende zur Hälfte geleert habe….

Es war wieder eine tolle Wanderung, wobei das Wetter natürlich auch gut mitgespielt hatte, und ich glaube, ich werde mir doch noch einen Wanderführer für das Siebengebirge kaufen, vermutlich diesen hier. Die nächste Tour wird aber erst einmal in eine andere Gegend gehen.

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