Komp-32

Das Wildfreigehege Hellenthal und seine Greifvogel-Vorführung sollen wohl einfach nicht sein. Nachdem die Tour am Wochenende vorher schon wegen des Wetters ausgefallen war, fiel sie diesmal wegen einer Bänderdehnung der Dauermitwanderin aus. Aber irgendwann wird das schon noch werden. Dennoch kam es vergangenen Sonntag noch zu einer größeren Tour. Mit Halina, einer weiteren ambitionierten Luftschnapperin, ging es ins belgische Hohe Venn.

 

 Die Strecke war die Tour Nr. 32 aus dem Kompass Wanderführer “Hohes Venn - Eifel”. Für diese Tour brauchte ich zunächst einmal eine Karte, die ich in meinem GPS-Empfänger verwenden konnte. Denn die Wanderskizzen aus dem Kompass-Buch sind nur bedingt zu verwenden, bis auf ein paar kurvige Schlenker ist darauf nicht viel zu erkennen. Bringt man die Schlenker jedoch in Deckung mit einer ordentlichen Wanderkarte, läßt sich die Strecke doch recht gut übertragen. Aber Arbeit war es schon, da ich die Papierkarte zunächst einscannen und dann für das GPS-Gerät einmessen mußte.

 

 Die Wanderung ist sehr empfehlenswert, die Beschreibung im Wanderführer weniger. An manchen Stellen verliert sich der Autor in verwirrenden Details, die nicht mal unbedingt den örtlichen Realitäten entsprechen, an anderen Stellen schweigt er sich über die Strecke kilometerlang aus. Das mag jetzt leicht übertrieben sein, aber es verhält sich mit diesem wie mit den meisten Wanderführern. Man braucht eine gewisse Kreativität und Phantasie, um sie richtig zu deuten. Die Essenz aus dem Geschriebenen zu ziehen, ist nicht immer einfach. Doch hier gelang es: Man brauchte sich eigentlich nur den einzigen Satz des Autors zu merken: “Wir wandern den Rundweg entlang dem Wanderzeichen ‘Grünes Rechteck’”. (sinngemäß). Richtete man sich danach, gab es eigentlich kein Vertun. Denn die Belgier hatten diesen Weg wirklich perfekt ausgeschildert, was in dem Gebiet Hohes Venn aber auch zwingend erforderlch ist, denn es ist wenig ratsam, sich im Moor, das Hohe Venn ist ja ein Hochmoor, zu verirren.

 

 Die Wanderung beginnt zwischen Eupen und Malmedy, bei Baraque Michel. Von dort aus geht es auf ener sehr abwechslungsreichen Strecke teils über weiche Waldwege, teils über feste landwirtschaftliche Wege am Vennrand entlang, teils über Holzstege mitten durchs Venn. Der Autor empfiehlt bei Nässe, Gummistiefel zu tragen, was ich nicht unterstreichen mag. Feste, hohe Schuhe reichen völlig, auch wenn man ab und an in ein Schlammloch tritt. Zum Teil geht es über ganz enge, verschlungene Wege, an Bachläufen entlang oder durch Fichtenwald, aber die Wege sind überall klar zu erkennen und das grüne Wanderzeichen zeigt einem, dass man hoffentlich richtig geht. Einer der Höhepunkte ist das Naturdenkmal “Die sechs Buchen”, eine Gruppe von bis zu 300 Jahre alten Buchen, die unvermittelt plötzlich mitten in einem Meer von Fichten auftauchen. Die einzigen Laubbäume weit und breit, und sie sehen durch ihre vermooste Rinde aus wie aus einem Zauberwald. Eine schöne, einsame Stelle, die zu einer Rast einlädt.

 

 Danach geht es dann weiter zu einer weiteren bekannten Stelle im Venn, dem “Kreuz der Verlobten”. Dieses Kreuz steht an einer Stelle, wo man vor vielen Jahren eine Braut im Brautkleid gefunden hatte. Mit ihrem Zukünftigen waren sie seinerzeit durchs Venn gewandert, um in einem (mir jetzt nicht bekannten) Ort ihre Hochzeitspapiere einzureichen und zu heiraten. Bei schlechtem Wetter, mitten im Winter, hatten sie sich verirrt. Die Braut wurde irgendwann von einem preußischen Zöllner an dieser Stelle gefunden, den Bräutigam fand man erst Jahre später einige Kilometer weiter im Venn. Auch er hatte sich noch weiter im Venn verirrt und dort den Tod gefunden. Eine traurige, wahre Geschichte, wenn auch schlecht von mir erzählt.

 

 Vom Kreuz der Verlobten ist es nun nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt der Wanderung, das letzte Stück geht es über endlose Holzstege mitten durchs “Große Venn”. Am Ende der Wanderung sollte man sich im Restaurant Baraque Michel noch etwas Gutes gönnen, entweder etwas zu essen oder ein leckeres “Leffe brun”. Anscheinend kann man dort auch irgendein besonderes Brot kaufen, jedenfalls kamen an diesem Sonntag alle paar Minuten Leute mit Broten aus dem Etablissement.
Die Wanderung war landschaftlich und streckenmäßig in jedem Fall eine Empfehlung, das GPS war an einigen Stellen eine gute Hilfe, wenn man sich trotz der guten Ausschilderung manchmal nicht ganz sicher über die weitere Richtung war. Denn auch die ansonsten gute Wanderkarte wies an einigen Stellen gewisse Abweichungen vom realen Velauf der Wege auf.
 

Antwort schreiben