Alte Bahnstrecken

Die etwas andere Wanderung am letzten Sonntag. Es war eigentlich eine Art Radtour geplant gewesen, Harry, mein bester Freund schon seit Kindertagen, und meine Wenigkeit. Da ich so wenig sehe, dass ich gefahrlos kein Fahrrad mehr fahren kann, hatte er die Idee, bei einem ortsansässigen Händler ein Tandem zu mieten. Eine klasse Idee. Auf den hinteren Rängen hätte ich mich auf dem Sozius-Sattel “etwas zurücknehmen können” und die Aussicht genossen, während in Villa Vordersitz noch gestrampelt worden wäre. Aber das Schicksal meinte es nnicht so gut mit mir. Zum einen war das Wetter für eine Radtour etwas kritisch, zum anderen hatte Harry den ganzen Tag über niemanden bei dem Fahrradhändler erreichen können und somiat waren wir sowieso nicht im Besitz eines Leih-Tandems. So wurde dann aus der Radtour eine Wanderung.

Die Strecke war Teil eines für den Freizeitberecih ausgebauten Netzes alter, stillgelegter Eisenbahnstrecken im Grenzgebiet zwischen Belgien und Deutschland. In den letzten Jahren werden immer häufiger solche brachliegenden Streckenabschnitte für den Fahrrad- und Fußgängerbetrieb aufbereitet. Harry hat schon einige dieser Strecken ausfindig gemacht und ausprobiert, ähnliches gibt es auch in Spanien, wo er und seine Familie dann schon aktiv geworden sind. Wir waren an diesem Sonntag in der Nähe von St. Vith, unser Startbunkt war in Steinebrück, einem kleinen Flecken ziemlich auf der Grenze zwischen Deutschland und Belgien. Auch zu Fuß ließ sich die Route wandern, die aber vornehmlich für Fahrrad gedacht ist, In alten Karten und Dokumenten hatte Harry schon einiges Informative recherchiert, was noch die Betriebszein der Eisenbahnstrecken betraf, die zum Ende des 2. Weltkrieges zum Teil durch Sprengung unbrauchbar gemacht worden waren oder nach dem Krieg ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren hatten.

An den meisten Stellen waren noch Spuren des Originalzustandes erkennbar, jedoch war überall der alte Gleiskörper durch Rad-Freundlichen Fahrbelag ersetzt . Unbrauchbar gewordene Brücken über Bäche waren durch neue ersetzt worden. Und da wir genau an der Grenze waren, ließ sich auch schön die unterschiedliche Vorgehensweise der Belgier und der Deutschen bei der Reanimierung des Geländes erkennen. In Belgien hatte man das Ganze etwas natürnaher und um vieles preiswerter hinbekommen als in Deutschland, wo das Projekt Unmengen an Geld verschlungen hat. Aufwendige Brücken, die nicht sein müssen, aufwendiger Teerbelag, der Rennradtauglich, aber nicht Fußgänger-freundlich ist. Da gefiel mir der sauber aufbereitete, leicht körnige, aber ebene Belag in Belgien weit besser. Einige Tunnel lagen auch auf unserem Weg, die auch Interessantes boten. Einige, die aber etwas abseits der fahrtauglichen Trasse lagen, waren bis auf wenige Öffnungen zugemauert und dienen Als Zuflucht für Fledermäuse. Schilder mit der Bitte um Ruhe sind angebracht. Andere Schilder stellen Warnschilder bei bestimmten Witterungsverhältnissen dar. Eines machte darauf aufmerksam, dass der Tunnel im Winter wegen der Gefahr herabfallender Eiszapfen geschlossen würde. Schön, wenn man vielleicht nach einer Tour von 50 km gerade an diesen Tunnel kommt und ihn nicht durchqueren kann. Also wieder zurück zum Ausgangspunkt, 50 km! :-) Und dann gab es noch einen interessanten Tunnel. Über 400 Meter lang, wären innen keine Neonlampen anbebracht, was ja schon einen Luxus darstellt, würde man im Inneren ohne Licht mit Sicherheit einige Male gegen die Wand laufen oder fahren. So fast geschehen einige Wochen vorher, als Harrys Familie schon einmal dort war. Sie wußten, dass der Tunnel beleuchtet ist, doch als sie dort ankamen, leuchtete nichts. Aber ein fluchender Mann auf einer Leiter und ein zweiter Mensch waren gerade dort tätig. Sie hatten die ankbare Aufgabe, sämgliche Neonröhren im Tunnel auszutauschen. Ein Blitz, der bei einem Gewitter kurz zuvor in die Stromversorgung für den Tunnel eingeschlagen hatte, hatte sämtliche Beleuchtungskörper erblinden lassen. Somit war der Tunnel sozusagen unpassierbar, bis die beiden Herren ihre Sonntags-Beschäftigung erledigt hatten. Und daher kündete ein Schild davon, was beim nächsten Blitzeinschlag passieren würde: “Tunnel gesperrt! Wegen Blitzeinschlag in Beleuchtungsanlage.”

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