Archive for September, 2007

Wandern anno 1952

Mittwoch, September 26th, 2007

Wieder einmal ein Schatz, den ich in einem Karton auf dem verstaubten Speicher meines Elternhauses gefunden habe. Eine Postkarte meines Vaters an meine Schwester. Ich war noch lange nicht geboren, auch mein nächstälterer Bruder wohl nicht. Und sowohl Pappa, Onkel Hubert und die Tante leben leider nicht mehr.

Doch gewandert wurde auch damals!

„Liebe kleine Monika!
Heute früh ist der Onkel Hubert heimgefahren.
Geh nur mal ins Geschäft, dann wird er Dir viel
erzählen. Der Pappa bleibt noch bis zum Samstag
hier. Dann fährt er auch nach Augsburg. Stell Dir
vor, hier regnet es ordentlich. Dafür kann man
viel schlafen. Gehst Du auch jeden Mittag brav
ins Bett und rufst nicht immer? Spielst Du
viel mit dem Gregor? Was macht der Wolfgang?
Folgst Du der Mamma? Dann bring ich Euch auch
etwas schönes mit! Gestern war ich mit dem Onkel
Hubert auf einem ganz hohen Berg. Den ganzen
Tag sind wir gelaufen und heute haben uns
davon die Beine wehgetan. Wenn Du groß
bist, dann nehm ich Dich auch einmal mit.
Grüß mir Mamma, Gregor, Wolfgang und
die Tante. Ich freue mich, wenn ich Dich wiederhabe
Dein Pappa“

Grenzgänger

Dienstag, September 25th, 2007

Die letzten Tage waren ja wirklich noch einmal ganz schön. Ich bin an denen natürlich zuhause geblieben. So ist das manchmal, man hat gearbeitet und gearbeitet und dann hat man zwei Wochen frei. Dann muß man erst einmal ein bis zwei Tage in Lethargie verfallen, ehe man sich wieder aufrafft. Also mir geht das meist so. Ich schaue raus, sehe die Sonne, ärgere mich und bleibe zuhause. Erst am Sonntag, im späten Nachmittag, habe ich mich zu einem Spaziergang (ohne Wanderschuhe aufgemacht. Über den Vennbahnweg, die stillgelegte Zugstrecke, die für Fahrradfahrer, Inliner und, wenn sie daneben noch überleben können, Fußgänger aufgemotzt wurde.Da bin ich dann von Brand bis Aachen drauf gegangen. Eine ganz schöne, nicht zu lange Strecke.

Dann kam der Montag, ich hatte eine etwas längere Strecke geplant. Von Brand bis Vaals an der holländischen Grenze. Ein 23 Kilometer Weg, um mir da einige der leckeren Honigkuchen kaufen zu können. Das Wetter war prächtig, wolkenloser Himmel, und meine neue Regenhose holte ich aus dem Rucksack, auch keine Regenjacke nahm ich mit. Ich wollte die (abgewandelte) Redensart: „Genäßtes Kind scheut den Regen“ nicht wahr werden lassen, ließ die Regensachen zuhause und sprang so über meinen Schatten, obwohl ich genau an der Stelle vorbeikam, an der ich letzthin auf meinem Weg nach Raeren klatschnaß geworden war. Ein kurzärmliges Hemd mußte reichen, die Temperaturen waren sehr angenehm, aber mir blies anfangs eine recht stürmische Herbstbriese engegen. Eien guten Stundenschnitt in Sachen Geschwindigkeit konnte ich so nicht erreichen, ich ging über Kilometer nur gegen den Wind. Von Brand ging es nach Hitfeld, dann in den Aachener Wald,.

Noch im offenen Gelände sah ich, dass der Wind auch ein paar Wolken mitbrachte. Und die Wolken wurden mehr. Und wozu hatte ich eigentlich seinerzeit die Regenhose gekauft? Es fing nur leicht an zu tröpfeln, und ich war froh, dass meine Strecke viel durch Wald ging an diesem Tag. Bald hate ich an „Grüne Eiche“ meinen ersten Grenzübertritt. Insgesamt sollten es an diesem Tag, auf nur einer Wanderung, sechs Grenzüberschreitungen werden. Jetzt ging es also erstmal nach Belgien rein. Diesen Teil der Strecke kannte ich noch von einer der letzten Wanderungen. Bald kam ich an eine kurze, unbekannte Passage, wo ich nach eine recht idyllische Stelle an einem kleinen Waldteich entdeckte. Kurz danach ein Wegstück, was ich wieder zurückgehen mußte, weil die Wanderkarte einen Weg ausgewisen hatte, der mal Forstweg gewesen war und jetzt zugewachsen war. Dann kam ich wieder auf bekanntes Terrain, vorbei an den Zyklopensteinen, zweite Grenzüberschreitung wieder nach Deutschland, hundert Meter am Buchen-Grenzwall vorbei und wieder rüber nach Belgien, dritte Überschreitung. In Belgien ging es jetzt ca. 300 Meter auf der Straße weiter, vorbei am ehemaligen Grenzübergang, vierte Überschreitung wieder nach Deutschland. Der Himmel war schon dunkler. Jetzt weiter durch den Aachener Wald. Ich kam über einen schmalen Pfad zum wiederholten Male zum höchsten Punkt im Aachener Wald am „Pelzerturm“, der nur noch aus einigen großen Wackersteinen auf dem Boden besteht. Hier hoch muß man eigentlich nicht, aber das lasse ich mir nie nehmen, wenn ich schon mal in der Nähe bin. Gut, daß Bäume Blätter haben. Und gut, dass diese Regen abhalten. Und schlecht, dass ich nicht nur Regenhose, sondern auch Regenjacke weggelassen hatte. Die einzigen Pausen, die ich auf dieser Wanderung machte, waren die, um unter dichten Blätterdach einen Schauer abzuwarten. Aber es ging weiter, nur wenige Fußgänger waren unterwegs. Die jedoch hatten Jacken an oder Schirme dabei. Ich hatte ein kurzärmliges Hemd.

Aber es ging weiter, Den größten Teil hatte ich ja schon geschafft, bis Vaals war es nicht mehr so weit. Vorbei am „Mulleklenkes“ dem Radio-Sende oder Empfangsturm, ich weiß nicht, wie man den nennt, und dann auf das Stück zum „Dreiländerpunkt“. Ach ja, ich war schon wieder in Belgien, fünfte Grenzüberschreitung. Und dann kam da diese lange, gerade Wegstrecke mit „Schößlingen“, so will ich es mal nennen. Vorher war ein ziemlich dichter Blätterwald über mir, hier nicht. Und da ging der Regen so richtig los. Fast so wie damals…. als ich mir überlegte, dass eine Regenhose vielleicht nicht schlecht wäre. Nun ja, ich wurde wieder klatschnaß und beneidete diese paar Spaziergänger, die da mit ihren Jacken und Schirmen unterwegs waren. Jetzt bloßß noch schnell eine Grenzüberschreitung. Und dann hatte ich es naß bis nach Vaals geschafft. Immer ganz knapp an der holländischen Grenze entlang, die ich aber, wie ich nachher auf der Karte sah, so gerade nicht überschritt. (Also zum zweiten Mal fast nach holland). Da war ich nun in Vaals. Auf Honigkuchen hatte ich jetzt auch keine Lust mehr, ich wollte nur noch in den Bus und nach hause. Dabei hätten 100 Meter gerecht. Dann wäre ich sowohl in Holland gewesen und in dem Geschäft, wo es die leckeren Teile gibt. Aber ich stieg nur noch in den zum Glück gerade da stehenden Bus ein, gönnte mir den als Belohnung im Rucksack gebliebenen Pullover und fuhr heim in die Badewanne.

Fast nach Holland

Montag, September 17th, 2007

Aufgrund der guten Wettervorhersage gegen Ender der letzten Woche hatte ich mir kurzerhand einen Urlaubstag am Freitag genommen. Mit Sonnentagen sind wir ja ansonsten nicht allzu sehr verwöhnt worden in letzter Zeit. Wandern war also wieder angesagt, nur auf ein Wanderziel konnte ich mich mit mir selber nicht einigen. Die Entscheidung fiel dann letztendlich auf eine bekannte Strecke. Es ging von meiner Wohnung aus bis nach Kerkrade in Holland. Beim letzten Stück, sozusagen der Grenzüberschreitung, bin ich immer noch auf der Suche nach einem angenehmen Wegverlauf, und den wollte ich dann diesmal suchen.



Von Aachen-Brand aus ging es dann erstmal über Eilendorf, dem Rivalen-Nachbarort. So etwas hat ja wohl jeder in seinem Umfeld, so einen grundlos ungeliebten Nebenort. Das Wetter war wie erwünscht, klarer Himmel und angenehme Temperatur, gerade das richtige zum gehen. Von Eilendorf ging es dann weiter zum „Haarener Kreuz“, einem eher unbekannten Aussichtspunkt über Aachen. Die Stelle ist nicht unbedingt auf gängingen Spazierwegen angesiedelt. Es handelt sich jedenfalls um ein 7 bis 8 Meter hohes Metallkreuz, und ringsum läuft eine Sitzbank aus Beton. Die Stelle ist immer ganz gut für eine kleine Verschnaufpause geeignet, was ich dann auch gemacht habe. Während ich da saß, war unbemerkt eine Frau um die Ecke gebogen gekommen sowie ein bei meinem Anblick wild bellender Husky, der aber sicher nur spielen wollte… Er beruhigte sich aber schnell und schlekte mir nachher sogar durchs Gesicht. Darauf bilde ich mir aber nichts ein, das hätt‘ er sich ruhig sparen können.


Mit der Frau kam ich dann noch kurz ins Gespräch. Sie war das erste Mal dort. Doch plötzlich kam sie mir irgendwie bekannt vor. Ich fragte sie, aus welcher Richtung sie gekommen sei, und das war dieselbe Richtung, aus der ich auch gerade gekommen war. Aha. Ich fragte sie dann, ob sie da zufällig in einem Auto gesessen hätte. Ja, hatte sie, wie ich denn darauf käme. Ich meinte dann: „Dann habe ich sie eben gerochen. Das Parfum , was ich gerade rieche, ist dasselbe, was ich eben einmal gerochen habe.“ Vielleicht hätte ich es ja etwas charmanter ausdrücken können, denn es war ihr peinlich. „Das spricht ja nicht für mich, wenn ich das Parfum so stark aufgetragen habe, dass sie das eben schon aus dem Auto riechen konnten.“ Aber derselbe Geruch war mir wirklich direkt aufgefallen, als ich einen halben Kilometer vorher an ein paar Häusern an einer Straße vorbei gekommen war. Ich hatte dann einen Schatten in einem Auto sitzen sehen, und von dort schien der Geruch wohl zu kommen. Und was lernen wir daraus mal wieder? Wenn das Augenlicht nachläßt, werden die anderen Sinneswahrnehmungen verstärkt. Und das scheint mir bei meinem Geruchssinn wirklich der Fall zu sein. Die Frau hat sich nach diesem Wortwechsel jedenfalls schnell verabschiedet. 🙂


Vom Kreuz aus ging es dann weiter ins Wurmtal, einem beliebten Aachener Naherholungsziel. Kleinere Rundwanderungen in diesem Gebiet sind sehr empfehlenswert, es geht längs durch ein idyllisches Bachtal. Es gibt hier auch einige gute Einkehrmöglichkeiten wie „Teuter Hof“, „Alte Mühle“ oder die Burg Wilhelmstein. Auf Burg Wilhelmstein werden auch auf überdachter Bühne kleinere Konzerte aufgeführt, z.B. ist dort Götz Altzmann gerne zu Gast. Nahe an Burg Wilhelmstein waren auch immer noch die Auswirkungen von Kyrill zu sehen, eine vormals dicht bewaldete Stelle war zum Kahlschlag mutiert.






Holland war jetzt nicht mehr weit, Kerkrade war fast schon in Riechweite. Doch, wie so oft in letzter Zeit, war ich zu spät losgegangen, es ging schon auf den Abend zu. Um jetzt noch einen schönen Weg für das letzte Stück zu suchen, war es fast schon zu spät. Denn gerade in Grenznähe gibt es dort sehr wenige Stellen, an denen man ins andere Land rüberkommt, trotz offenener Grenzen. Es gibt einfach sehr wenige Wege, und ein Verlaufer bedeutet gleich einige Kilometer umweg. Und, ich muß ehrlich sein, mir taten die Beine doch schon ein wenig weh. Ich bin dann sozusagen kurz vor dem Ziel noch abgedreht und zum nächsten inländischen Ort vor Holland, Horbach, gegangen. Von dort aus dann wieder mit dem Bus Richtung Heimat. Meine 28 Kilometer hatte ich auch ohne Grenzübertritt schon erreicht, und das fand ich mehr als reichlich.



Beim nächsten „Versuch“ werde ich erst in Horbach loslaufen, um den „schönen“ Weg bis Holland zu suchen, und dann werde ich auch noch bis Heerlen weitergehen, den Ort, den ich schon seit Jahren im Hinterkopf habe, dass ich zusammem mit meinem Bruder einmal von Brand bis Heerlen zu Fuß gehen möchte. Und solange wir noch nicht zu alt dafür sind, sollten wir das in Angriff nehmen!

Dreilägerbach-Talsperre

Mittwoch, September 12th, 2007

Am Samstag rief mich mein Vetter an, ob ich am Sonntag nicht Lust auf eine Wanderung mit anschließender Einkehr hätte. Welche Frage, wenn nichts Besonderes ansteht, habe ich auf Wanderungen immer Lust. Also ging es Sonntag Mittag mit Vetterfrau, Vetter und Mister M., deren Hund, Richtung Roetgen. Die Wanderung hatten sie den Wandervorschlägen der Aachener Zeitung entnommen, sie haben beim Autor dieser Wanderung die komplette Sammlung der Fotokopien erstanden. Es war die Nr.23 aus der Sammlung. Mittlerweile sind wir bei Nr. 290 und da diese Zeitungsbeilagen recht selten enthalten sind, konnte ich mir vorstellen, wie alt der Vorschlag wohl sein mochte.




Es war eine Strecke von ca.13 Kilometern, beginnend am Filterwerk der Dreilägertalsperre zwischen Rott und Roetgen. Die Orientierung über GPS konnte ich diesmal vernachlässigen, ich war ja nur Mitwanderer. Ich hoffte, dass die beschriebenen Wanderwege übarhaupt noch vorhanden waren, denn die Landschaft verändert sich oft sehr schnell, in Wandervorschlägen beschriebene Wege existieren oft schon nicht mehr. Doch in dieser Hinsicht waren alle Bedenken hinfällig, alles stimmte ungewöhnlich gut mit dem echten Gegebenheiten überein. von dem Filterweg ging es erstmal eine Weile an einem Bach entlang. Den Teil der Strecke kannte ich schon von früheren Wanderungen. Allerdings war da noch die schöne alte Holzbrücke intakt gewesen, über die wir den Bach überqueren mußten, die „Alte Woochbrücke“. Die Brücke an sich war auch noch zu überqueren, nur mußten wir erstmal auf den Betonpfeiler klettern, wo vorher eine Rampe mit Holzstufen hochgeführt hatte. Nachdem ich meinen Vetter einige große Steine stattdessen hatte aufschichten lassen (er ist schließlich ein Jahr jünger als ich), kamen wir dann doch gut hoch. Weiter ging es auf diesem Weg bis auf eine schmale Straße, an der dann meine Kenntnis der Strecke aufhörte. Zunächst ging es bis in die Nähe von Rott über einen sehr schönen, schmalen Waldpfad. Eine Straße war zu überqueren, und ab da ging es dann zunächst stetig bergauf. Dann kamen wir an einer Stelle an, auf die ich meinen Vetter schon vorher angesprochen hatte. Aus Kindertagen hatte ich da nämlich eine Straße in Erinnerung, die von einer Hauptstraße abgezweigt war und an eben jender Dreilägerbachtalsperre vorbei geführt hatte. An dieser Straße kamen wir nun an, genau an dem Parkplatz, den ich aus Kindertagen noch in Erinnerung hatte. Nur dass es mittlerweile wohl keine öffentliche Straße mehr ist, die Strecke wird nur noch forstwirtschaftlich genutzt. Wir waren jedenfalls jetzt ganz nah an der Talsperre und kamen dann an ein Staubecken, das mir optisch auch sofort bekannt vorkam. Das muß aber 30-40 Jahre her sein, dass ich dort gewesen bin. Ich glaube, zu jener Zeit war ich, soweit ich mich erinnere, noch mit meinem Vater dort, und der ist tot, seit ich 13 bin. Also ewig lang.



Die weitere Wegstrecke war mir aber wieder unbekannt, ein schöner, verschwiegener Waldweg schlängelte sich durch die Bäume, immer gesäumt vom Bach. Und immer noch bergauf. Aber das ließ ja hoffen, dass es irgendwann nur noch bergab gehen konnte, was dann auch der Fall war. Wir passierten noch ein sogenanntes Naturdenkmal, leider konnte ich nicht ergründen, was denn jetzt das Denkmal an dieser Stelle sein sollte, wenn die Stelle an sich auch sehr einladend aussah. Die anderen preschten leider alle zu schnell dran vorbei, um das genauer inspizieren zu können. Sie hatten schon das kleine Restaurant vor Augen, wo es im Anschluß hingehen sollte. Sie hatten dort schon einen Tisch bestellt, zur vereinbarten Zeit schafften wir aber kaum dorthin zu kommen, da wir zwischendurch noch Pilze gefunden und dann auch gesucht hatten. Wir waren an ein, zwei lohnenswerten Pilzstellen vorbei gekommen, die noch einmal eine gezielte Anfahrt erfordern werden. Doch schon die im Vorbeigehen gefundenen Exemplare werden heute Abend eine schöne Mahlzeit ergeben, ich bin bei den beiden zum essen eingeladen.Die Strecke war schöner, als ich vorher vermutet hatte. Ich hatte angenommen, es würde nur am Ufer der Dreilägerbach-Talsperre vorbei gehen, die für sich alleine gesehen nicht sehr attraktiv ist. Doch es waren einige sehr schöne, wenig begangene Wege mit dabei, die diese Wanderung doch sehr empfehlenswert gemacht hatten. Von den Pilzen mal ganz abgesehen.

Burg Raeren

Dienstag, September 4th, 2007

Wie so oft in den letzten Wochen war das Wochenende der vom Wetter begünstigste Abschnitt der Woche. So war auch der letzte Samstag ganz passabel, und ich konnte meine geplante Wanderung zur Burg Raeren antreten. Ohne Regenschutz loszuziehen, wäre allerdings grob fahrlässig gewesen. Und so ereilte mich auch ein Wolkenbruch übelster Art, als ich gerade einmal einen Kilometer von meiner Haustür weg war. Und da war kein Baum in der Nähe, keine Autobahn-Unterführung zum unterstellen. Eine geeignete Unterführung hatte ich gerade einige hundert Meter vorher passiert, diese hatte ich bei einem Wolkenbruch vor zwei Jahren einmal in Anspruch nehmen dürfen. Damals hatte ich keine Regenjacke dabei, kam mehr oder minder zufällig zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle an. – Nun ja, der aktuelle Regenfall war zum Glück nicht allzu lange, aber heftig. Da der Regen ziemlich schräg runterkam, wurde ich nur halbseitig unter Wasser gesetzt, ein Hosenbein war klatschnaß, das andere blieb einigermaßen unbehelligt. Und oben schützte mich ja die Regenjacke. Ich war eigentlich noch nah genug an meinem Startpunkt, um doch wieder zurückzukehren, aber ich habe mich nicht entmutigen lassen und bin weiter gelaufen.

Meine Strecke, teils durch Deutschland, teils durch Belgien, war auf 21 Kilometer konzipiert. Durch kleinere Verlaufer sind dann am Ende 26 Kilometer draus geworden. Und fast wäre ich, freiwillig, auf über 30 Kilometer gekommen, hätten mir nicht wieder zeitliche Erfordernisse einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich mußte nämlich noch vor Ladenschluß den Discouter meines Vertrauens erreichen, da ich noch einige Kleinigkeiten zum essen und trinken einkaufen wollte. Es wäre zu spät geworden, hätte ich die letzten Kilometer auch noch zu Fuß gemacht, also nahm ich den Bus bis zuhause.

Die Wanderung an sich war interessant, wenn auch von der Bodenbeschaffenheit nicht immer sehr schön, da vor allem in Belgien der Anteil an Asphalt etwas zu hoch war. Und so etwas spüre ich am Ende immer ganz schön in den Knochen, weicher Wald- oder Wiesenboden hat fürs zu Fuß gehen natürlich eine ganz andere Qualität. Dieser Nachteil wurde aber dadurch aufgewogen, dass ich wieder einmal in eine Ecke kam, wo ich ansonsten kaum einen Fuß hingesetzt habe. Und jedesmal, wenn ich an solche Stellen komme, die gar nicht weit von zuhause sind, die man aber dennoch nicht kennt, denke ich: „Und auch hier leben Menschen!“ Kleine Nester irgendwo auf dem Lande, und überall leben Leute und halten diesen Fleck vermutlich für den Mittelpunkt der Welt. Und gerade in Belgien baut sich jeder seinen eigenen kleinen Mittelpunkt, denn die belgischen Häuser sind von ihrer Bauart her sehr individuell, keines sieht aus wie das andere,. Wenn die Häuser auch nicht unbedingt sehr schön sind, sie sind jedenfalls „anders“. Da ist in Deutschland eher alles „aus einem Guߓ ,oder eher, langweilig.

Ich ging jedenfalls viel durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, ein Highlight der Tour hatte ich vorher zuhause auf der Landkarte ausgemacht, die „Burg Raaf“. Als ich dann schließlich dort vorbei kam, war ich wirklich swchon dran vorbei. Ich war bereits einen halben Kilometer zu weit gelaufen, die Burg war mir entgangen. Und entging mir weiter. Ich ging nämlich an die Stelle zurück, an der es von der Straße zur Burg abgehen sollte, aber zu sehen war nichts ausser einem geschlossenen Weidezaun, hinter dem irgendwo in einer Baumgruppe versteckt so etwas wie eine Burg oder ein Gutshof schlummern mußte. Die sogenannte Burg entzog sich jedenfalls vollständig jedem Blick. Ich habe nachher im Internet wohl ein Foto gefunden, was aber auch eher einem „Erlkönig“-Bild entsprach, wie man es von noch geheimzuhaltenden Automodellen kennt. So blieb mir also auf meiner Wanderung nur Burg Nummer Zwei, die „Burg Raeren“. Also ging ich an versprengten Ortsteilen von Eynatten vorbei, kam durch das Örtchen Berlotte, wo in einer Mini-Kapelle gerade eine Hochzeit zelebriert wurde und erreichte zu guter Letzt den Ort Raeren, das eigentliche Ziel meiner Wanderung. Der Ort Raeren selber ist ein altes, gewachsenes Örtchen, welches flächenmäßig recht groß ist Es gab viele kleine und größere Bruchsteinhäuser und Bauernhöfe zu sehen, aber am hervorstechendsten ist natürlich die Burg Raeren. Eine vollständig restaurierte Burg, wo ich an diesem Samstag schon meine zweite Hochzeit mitbekam. Auch hier wurde wie in Berlotte gehochzeitet. In der Burg ist ein Töpferei-Museum untergebracht, Raerener Keramik blickt auf eine alte Tradition zurück, die Waren wurden früher in alle Welt exportiert. Wer sich dafür interessiert, sollte sich einmal auf der Webseite des Töpferei-Museums umsehen. Ich habe mir das Museum nicht angesehen, ich interessiere mich nicht für derartige Dinge, ich habe mich einzig mit der Dame an der Kasse über das Wetter und das dargebotene Broschüren-Material unterhalten. Ansonsten habe ich nur einige Fotos der Burg gemacht und bin dann weiter gezogen.

Burg Raeren

Jetzt sollte der interessanteste Teil der Wanderung kommen, eine Strecke ohne festen Weg über Weideflächen, bei denen die Durchgänge zwischen den Feldern durch Drehkreuze möglich waren. Dass es diese Wiesenwege gab, hatte ich schon bei meiner letzten Wanderung, die mich durch Raeren geführt hatte, gesehen. Nur den Punkt in Raeren selber, von dem ich auf die Felder und die „virtuellen“ Wege kommen sollte, kannte ich nicht. Bald jedoch hatte ich den ersten Durchgang gefunden und ging zügig über eine eingezäunte Rasenfläche. Irgendwann war da aber Ende, man kam nicht weiter. Offensichtlich hatte ich nicht die richtige Stelle erwischt, mußte zurück. Am Ausgangspunkt wieder angekommen, fragte ich eine ältere Dame mit Lockenwicklern, die aus dem Bauernhaus kam, wo es denn lang ginge. Die vermeintliche Bäuerin wußte jedoch nichts, meinte, es gebe keinen Weg, nur die Straße. Das mochte die Bäuerin ja glauben, ich jedoch nicht. Ich ging also noch einmal ein Stück zurück Richtung Burg und fand den Einstieg zu den Wiesen. Große Wiesen, und es war nicht zu sehen, welche Richtung zu nehmen sei. Gut, dass mein GPS mir den Punkt anzeigte, wo ich ankommen mußte, jetzt mußte ich nur noch die Stellen finden, an denen ich zwischen den Zäunen durchkommen mußte. Da ich so schlecht sehe, kann ich das nämlich nicht sehen, ehe ich nicht an der Stelle angekommen bin, also immer ein wenig ein Blindflug. Ich dachte aber, irgendwelche Orientierungspunkte müsse es doch geben, und so hielt ich einfach auf einen einsamen Baum zu, der irgendwo mitten auf dem Feld war. Und das war genau richtig. Ich brauchte diese Richtung nur immer bis ans bittere Ende beibehalten, und wirklich kam ich nach einigen Feld-Übergängen an meinem Wunsch-Ziel aus. Herrlich!

Baum-Wegweiser

Der nächste Teil der Strecke war mir dann bekannt, ich war ihn kürzlich erst gegangen. Nur beim letzten Teilstück habe ich mich ordentlich verhaspelt, weil ich einmal zu lange nicht auf mein GPS geschaut hatte und in eine falsche Richtung ging. Das brachte mir dann zu guter Letzt noch zwei bis drei Zusatz-Kilometer ein. Aber kein Kilometer ist ein verlorener Kilometer, denn ich lerne immer wieder neue Flecken dabei kennen, an die ich sonst im Leben nicht geraten würde. Und so kam ich wohlbehalten wieder zuhause an, und nach einem Bad und dem einreiben der Beine mit der fantastischen „Allgäuer Latschenkiefer“-Creme mit ihrer belebenden Wirkung lebte ich wieder.