Wie so oft in den letzten Wochen war das Wochenende der vom Wetter begünstigste Abschnitt der Woche. So war auch der letzte Samstag ganz passabel, und ich konnte meine geplante Wanderung zur Burg Raeren antreten. Ohne Regenschutz loszuziehen, wäre allerdings grob fahrlässig gewesen. Und so ereilte mich auch ein Wolkenbruch übelster Art, als ich gerade einmal einen Kilometer von meiner Haustür weg war. Und da war kein Baum in der Nähe, keine Autobahn-Unterführung zum unterstellen. Eine geeignete Unterführung hatte ich gerade einige hundert Meter vorher passiert, diese hatte ich bei einem Wolkenbruch vor zwei Jahren einmal in Anspruch nehmen dürfen. Damals hatte ich keine Regenjacke dabei, kam mehr oder minder zufällig zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle an. - Nun ja, der aktuelle Regenfall war zum Glück nicht allzu lange, aber heftig. Da der Regen ziemlich schräg runterkam, wurde ich nur halbseitig unter Wasser gesetzt, ein Hosenbein war klatschnaß, das andere blieb einigermaßen unbehelligt. Und oben schützte mich ja die Regenjacke. Ich war eigentlich noch nah genug an meinem Startpunkt, um doch wieder zurückzukehren, aber ich habe mich nicht entmutigen lassen und bin weiter gelaufen.
Meine Strecke, teils durch Deutschland, teils durch Belgien, war auf 21 Kilometer konzipiert. Durch kleinere Verlaufer sind dann am Ende 26 Kilometer draus geworden. Und fast wäre ich, freiwillig, auf über 30 Kilometer gekommen, hätten mir nicht wieder zeitliche Erfordernisse einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich mußte nämlich noch vor Ladenschluß den Discouter meines Vertrauens erreichen, da ich noch einige Kleinigkeiten zum essen und trinken einkaufen wollte. Es wäre zu spät geworden, hätte ich die letzten Kilometer auch noch zu Fuß gemacht, also nahm ich den Bus bis zuhause.
Die Wanderung an sich war interessant, wenn auch von der Bodenbeschaffenheit nicht immer sehr schön, da vor allem in Belgien der Anteil an Asphalt etwas zu hoch war. Und so etwas spüre ich am Ende immer ganz schön in den Knochen, weicher Wald- oder Wiesenboden hat fürs zu Fuß gehen natürlich eine ganz andere Qualität. Dieser Nachteil wurde aber dadurch aufgewogen, dass ich wieder einmal in eine Ecke kam, wo ich ansonsten kaum einen Fuß hingesetzt habe. Und jedesmal, wenn ich an solche Stellen komme, die gar nicht weit von zuhause sind, die man aber dennoch nicht kennt, denke ich: “Und auch hier leben Menschen!” Kleine Nester irgendwo auf dem Lande, und überall leben Leute und halten diesen Fleck vermutlich für den Mittelpunkt der Welt. Und gerade in Belgien baut sich jeder seinen eigenen kleinen Mittelpunkt, denn die belgischen Häuser sind von ihrer Bauart her sehr individuell, keines sieht aus wie das andere,. Wenn die Häuser auch nicht unbedingt sehr schön sind, sie sind jedenfalls “anders”. Da ist in Deutschland eher alles “aus einem Guß“ ,oder eher, langweilig.
Ich ging jedenfalls viel durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, ein Highlight der Tour hatte ich vorher zuhause auf der Landkarte ausgemacht, die “Burg Raaf”. Als ich dann schließlich dort vorbei kam, war ich wirklich swchon dran vorbei. Ich war bereits einen halben Kilometer zu weit gelaufen, die Burg war mir entgangen. Und entging mir weiter. Ich ging nämlich an die Stelle zurück, an der es von der Straße zur Burg abgehen sollte, aber zu sehen war nichts ausser einem geschlossenen Weidezaun, hinter dem irgendwo in einer Baumgruppe versteckt so etwas wie eine Burg oder ein Gutshof schlummern mußte. Die sogenannte Burg entzog sich jedenfalls vollständig jedem Blick. Ich habe nachher im Internet wohl ein Foto gefunden, was aber auch eher einem “Erlkönig”-Bild entsprach, wie man es von noch geheimzuhaltenden Automodellen kennt. So blieb mir also auf meiner Wanderung nur Burg Nummer Zwei, die “Burg Raeren”. Also ging ich an versprengten Ortsteilen von Eynatten vorbei, kam durch das Örtchen Berlotte, wo in einer Mini-Kapelle gerade eine Hochzeit zelebriert wurde und erreichte zu guter Letzt den Ort Raeren, das eigentliche Ziel meiner Wanderung. Der Ort Raeren selber ist ein altes, gewachsenes Örtchen, welches flächenmäßig recht groß ist Es gab viele kleine und größere Bruchsteinhäuser und Bauernhöfe zu sehen, aber am hervorstechendsten ist natürlich die Burg Raeren. Eine vollständig restaurierte Burg, wo ich an diesem Samstag schon meine zweite Hochzeit mitbekam. Auch hier wurde wie in Berlotte gehochzeitet. In der Burg ist ein Töpferei-Museum untergebracht, Raerener Keramik blickt auf eine alte Tradition zurück, die Waren wurden früher in alle Welt exportiert. Wer sich dafür interessiert, sollte sich einmal auf der Webseite des Töpferei-Museums umsehen. Ich habe mir das Museum nicht angesehen, ich interessiere mich nicht für derartige Dinge, ich habe mich einzig mit der Dame an der Kasse über das Wetter und das dargebotene Broschüren-Material unterhalten. Ansonsten habe ich nur einige Fotos der Burg gemacht und bin dann weiter gezogen.
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Jetzt sollte der interessanteste Teil der Wanderung kommen, eine Strecke ohne festen Weg über Weideflächen, bei denen die Durchgänge zwischen den Feldern durch Drehkreuze möglich waren. Dass es diese Wiesenwege gab, hatte ich schon bei meiner letzten Wanderung, die mich durch Raeren geführt hatte, gesehen. Nur den Punkt in Raeren selber, von dem ich auf die Felder und die “virtuellen” Wege kommen sollte, kannte ich nicht. Bald jedoch hatte ich den ersten Durchgang gefunden und ging zügig über eine eingezäunte Rasenfläche. Irgendwann war da aber Ende, man kam nicht weiter. Offensichtlich hatte ich nicht die richtige Stelle erwischt, mußte zurück. Am Ausgangspunkt wieder angekommen, fragte ich eine ältere Dame mit Lockenwicklern, die aus dem Bauernhaus kam, wo es denn lang ginge. Die vermeintliche Bäuerin wußte jedoch nichts, meinte, es gebe keinen Weg, nur die Straße. Das mochte die Bäuerin ja glauben, ich jedoch nicht. Ich ging also noch einmal ein Stück zurück Richtung Burg und fand den Einstieg zu den Wiesen. Große Wiesen, und es war nicht zu sehen, welche Richtung zu nehmen sei. Gut, dass mein GPS mir den Punkt anzeigte, wo ich ankommen mußte, jetzt mußte ich nur noch die Stellen finden, an denen ich zwischen den Zäunen durchkommen mußte. Da ich so schlecht sehe, kann ich das nämlich nicht sehen, ehe ich nicht an der Stelle angekommen bin, also immer ein wenig ein Blindflug. Ich dachte aber, irgendwelche Orientierungspunkte müsse es doch geben, und so hielt ich einfach auf einen einsamen Baum zu, der irgendwo mitten auf dem Feld war. Und das war genau richtig. Ich brauchte diese Richtung nur immer bis ans bittere Ende beibehalten, und wirklich kam ich nach einigen Feld-Übergängen an meinem Wunsch-Ziel aus. Herrlich!
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Der nächste Teil der Strecke war mir dann bekannt, ich war ihn kürzlich erst gegangen. Nur beim letzten Teilstück habe ich mich ordentlich verhaspelt, weil ich einmal zu lange nicht auf mein GPS geschaut hatte und in eine falsche Richtung ging. Das brachte mir dann zu guter Letzt noch zwei bis drei Zusatz-Kilometer ein. Aber kein Kilometer ist ein verlorener Kilometer, denn ich lerne immer wieder neue Flecken dabei kennen, an die ich sonst im Leben nicht geraten würde. Und so kam ich wohlbehalten wieder zuhause an, und nach einem Bad und dem einreiben der Beine mit der fantastischen “Allgäuer Latschenkiefer”-Creme mit ihrer belebenden Wirkung lebte ich wieder.
27.10.2007 bei 11:10
Hi Joma,
auch wenn ich mich nicht so oft melde, habe ich doch immer ein Auge auf Dich.
Der Raerener-Teil, den Du beschreibst, klingt mir etwas nach Wanderung 5 aus dem Buch von Dräger mit den ungenauen Wanderbeschreibungen. Ich wollte sie morgen gehen, aber Deine Erzählung der Suche nach der richtigen Wiese und den “Stiegeln” läßt mich doch etwas zweifeln.
Na ja, vielleicht habe ich morgen früh ja schon Deine Antwort und kann’s mir dann noch mal überlegen.
Beste Grüße
Corinne
27.10.2007 bei 19:03
Hallo Corinne,
schön, noch einmal von dir zu hören.
Nein, diese Wanderung hatte rein gar nichts mit dem guten Heinz Draeger zu tun. Die ganze Strecke hatte ich mir selber zusammengestellt. Mir hat sie gut gefallen, nur den Anteil an Asphalt mochte ich nicht. Ob der Heiz da mehr zu bieten hat, kann ich nicht sagen. Versuch’s doch mal und berichte!
Schönen Gruß, JOMA
5.11.2007 bei 10:32
Hallo Joma,
wir haben die Wanderung Nr. 5 von H. Dräger gemacht, natürlich wieder mit den zu erwartenden Schlenkern. Allerdings muß man ihm doch zugute halten, dass das Marienheim gewaltig angebaut hat und der Weg an dieser Stelle schlicht über den Parkplatz auf das Trafohäuschen und dahinter wieder in die Wiese geht.
Insgesamt ist es eine sehr schöne Strecke, die im Frühling mit aufkeimendem Grün ihren vollen Reiz hat.
Solltest Du eine korrigierte Wegbeschreibung von mir haben wollen, maile mir. Ich habe nämlich alle von mir bisher abgelaufenen Dräger-Wege neu beschrieben.
Schöne Grüße
Corinne
5.11.2007 bei 22:12
Hallo Corinne,
den Heinz Draeger muß man eben so nehmen, wie er ist. Ich glaube, das Marienheim habe ich gar nicht berührt, ich bin ja eine eigene Strecke gegangen. Ich habe diesen Komplex nur auf den Karten gesehen. Einige Wochen vorher war ich von Richtung Fringshaus kommend, auch in Raeren angekommen und wohl geradewegs auf das Heim zugesteuert. Eine Dame, dich ich nach dem Weg bis Schmithof fragte, nannte mir dann aber eine Strecke, auf der ich wohl auch wieder um dieses Haus herumgeleitet wurde.
Falls du die neue Version der 5 in Dateiform hast, kannst du mir die gerne zuschicken. In diesem Jahr werde ich dort aber bestimmt nicht mehr aufkreuzen.
Kennst du eigentlich das “Möhrenmuseum” in Berlotte? Angeblich das kleinste Museum von Belgien. Die Exponate fahren dort in einem Paternoster-artigen Endloslift an einem kleinen Schaukasten vorbei. Ein Freund hat mir davon erzählt. …
Schönen Gruß,
JOMA
7.11.2007 bei 23:03
Hallo Joma,
das klingt ja ulkig mit dem MÖhrenmuseum. Kannst Du da mal was näheres rausfinden?
Die Nr. 5 habe ich als Word-Datei mit eingescannter Skizze, obwohl da das erste Wegesdritteldie tatsächlich der ersten Wegeshälfte entspricht - eben völlig verdrägert. Willst Du sie hier haben, oder soll sich sie Dir woanders hinsenden?
Übrigens ist das Buch vom Verlag aus dem Programm genommen und vielleicht sollte man dem Autor auch zugute halten, dass er 82 Jahre alt war, als es erschien. Andererseits hat er dann bestimmt genug Wandererfahrung, um zu wissen, worauf es bei Wegbeschreibungen ankommt.
Bist Du mal auf der Sophienhöhe gewesen? Ohne Wanderkarte geht das aber nicht, da ja alles neu angelegt und so ohne rechte Landmarken ist. Rheinbraun hat eine Karte im Netz, die man aber auch telefonisch bestellen und gratis bekommen kann.
Wanderst Du eigentlich nur nach GPS oder auch nach Karte? Wenn ja, welche aktuelle mit welchem Maßstab benutzt Du derzeit?
Verlaufene Grüße
Corinne
8.11.2007 bei 22:50
Hallo Corinne,
das waren jetzt viele Fragen….
Also, zum Möhrenmuseum. Ich weiß nicht viel drüber. Der Freund hat mir jedenfalls erzählt, dass es in Berlotte ist. Ich habe ihn so verstanden, dass, kommt man von der Raerener Burg die Grachtstraße entlang, man an der Kapelle in Berlotte lings auf die Straße Kinkelbahn abbiegen muß. Käme man aus Richtung Norden die Stechertstraße, müßte man nach rechts auf die Kinkelbahn.
Dort muß irgendwo das “Museum in so
einem gemauerten “Turm” untergebracht sein, wie sie fürher öfter so als Strom- oder Trasformatorenhäuschen benutzt wurden, an denen oben so Isolatoren mit den Stromdrähten befestigt sind. Angeblich ist es so ein Teil, nur stillgelegt. Mußt du mal suchen.
Und darin sind dann allerlei so kleine Möhren-Exponate, bemalt mit Gesichtern und dergleichen.
Nein, auf der Sophienhöhe war ich besher noch nicht. Da werde ich im Internet mal suchen, was ich dazu finde. - Ja, ich gehe eigentlich fast nur mit GPS. Da ich sehbehindert bin, würde mir eine Landkarte während des Laufens nicht helfen, die Details wären zu winzig. Ich habe aber gute Software zum wandern, wo ich auf dem Display dann auch Kartenausschnitte she und reinzoomen kann, um es zu vergrößern. Mit der Software kann ich beliebige Wanderkarten einscannen und so eichen, dass ich immer sehe, wo ich mich gerade befinde. Ist nicht wie bei den Auto-Geräten, wo mir eine weibliche Stimmer erzählt, wo ich jetzt abzubiegen oder zu wenden hätte. Also kann ich da auch Karten z.B. des Eifelvereins nutzen. Hauptsächlich verwende ich aber fertige digitale, topographische Karten im Maßstab 1:25000. Wobei ich da auf deutswches Gebiet begrenzt bin. Für Belgien oder Holland scanne ich entsprechende Papierkarten ein. Ich habe da z.B. den ganzen Satz dieser belgischen Karten aus dem Grenzgebiet, die ich im Blog auch schon einmal erwähnt habe. Als deutsche digitale Karte nutze ich eine von NRW der Firma Magic Maps. Kannst du dir im Internet ja mal anschauen. Man muß nicht unbedingt GPS haben, um sie nutzen zu können: http://www.magicmaps.de
Nun zu Heinz Draeger. Nein, ich werfe ihm seine leichten Ungenauigketen auch nicht vor, es sind schon tolle Wanderungen, die er in seinen Büchern ausgearbeitet hat. Und es macht einfach Spaß, sich während des Gehens über ihn zu ärgern. Das ist das Salz in der Suppe bei seinen Wanderungen.Und, egal welche Wanderbeschreibungen man nimmt, die sind fast nie so, dass man die Strecken ohne Mißverständnisse nachgehen kann. Irgendwelche Haken haben sie doch immer. Aarum…. GPS!
Schicke mir die Luxus-Draegers bitte zu joma@joma-vision.de Du kannst mir gerne alle zuschicken, was ich hab’, hab’ ich! - Das Buch habe ich zuletzt noch auf der Webseite: http:((www.ostbelgien.be angeboten gesehen. Ob es da noch erhältlich ist, weiß ich aber nicht.
So, das war’s jetzt aber.
Bis bald,
JOMA