Fast nach Holland

Aufgrund der guten Wettervorhersage gegen Ender der letzten Woche hatte ich mir kurzerhand einen Urlaubstag am Freitag genommen. Mit Sonnentagen sind wir ja ansonsten nicht allzu sehr verwöhnt worden in letzter Zeit. Wandern war also wieder angesagt, nur auf ein Wanderziel konnte ich mich mit mir selber nicht einigen. Die Entscheidung fiel dann letztendlich auf eine bekannte Strecke. Es ging von meiner Wohnung aus bis nach Kerkrade in Holland. Beim letzten Stück, sozusagen der Grenzüberschreitung, bin ich immer noch auf der Suche nach einem angenehmen Wegverlauf, und den wollte ich dann diesmal suchen.



Von Aachen-Brand aus ging es dann erstmal über Eilendorf, dem Rivalen-Nachbarort. So etwas hat ja wohl jeder in seinem Umfeld, so einen grundlos ungeliebten Nebenort. Das Wetter war wie erwünscht, klarer Himmel und angenehme Temperatur, gerade das richtige zum gehen. Von Eilendorf ging es dann weiter zum “Haarener Kreuz”, einem eher unbekannten Aussichtspunkt über Aachen. Die Stelle ist nicht unbedingt auf gängingen Spazierwegen angesiedelt. Es handelt sich jedenfalls um ein 7 bis 8 Meter hohes Metallkreuz, und ringsum läuft eine Sitzbank aus Beton. Die Stelle ist immer ganz gut für eine kleine Verschnaufpause geeignet, was ich dann auch gemacht habe. Während ich da saß, war unbemerkt eine Frau um die Ecke gebogen gekommen sowie ein bei meinem Anblick wild bellender Husky, der aber sicher nur spielen wollte… Er beruhigte sich aber schnell und schlekte mir nachher sogar durchs Gesicht. Darauf bilde ich mir aber nichts ein, das hätt’ er sich ruhig sparen können.


Mit der Frau kam ich dann noch kurz ins Gespräch. Sie war das erste Mal dort. Doch plötzlich kam sie mir irgendwie bekannt vor. Ich fragte sie, aus welcher Richtung sie gekommen sei, und das war dieselbe Richtung, aus der ich auch gerade gekommen war. Aha. Ich fragte sie dann, ob sie da zufällig in einem Auto gesessen hätte. Ja, hatte sie, wie ich denn darauf käme. Ich meinte dann: “Dann habe ich sie eben gerochen. Das Parfum , was ich gerade rieche, ist dasselbe, was ich eben einmal gerochen habe.” Vielleicht hätte ich es ja etwas charmanter ausdrücken können, denn es war ihr peinlich. “Das spricht ja nicht für mich, wenn ich das Parfum so stark aufgetragen habe, dass sie das eben schon aus dem Auto riechen konnten.” Aber derselbe Geruch war mir wirklich direkt aufgefallen, als ich einen halben Kilometer vorher an ein paar Häusern an einer Straße vorbei gekommen war. Ich hatte dann einen Schatten in einem Auto sitzen sehen, und von dort schien der Geruch wohl zu kommen. Und was lernen wir daraus mal wieder? Wenn das Augenlicht nachläßt, werden die anderen Sinneswahrnehmungen verstärkt. Und das scheint mir bei meinem Geruchssinn wirklich der Fall zu sein. Die Frau hat sich nach diesem Wortwechsel jedenfalls schnell verabschiedet. :)


Vom Kreuz aus ging es dann weiter ins Wurmtal, einem beliebten Aachener Naherholungsziel. Kleinere Rundwanderungen in diesem Gebiet sind sehr empfehlenswert, es geht längs durch ein idyllisches Bachtal. Es gibt hier auch einige gute Einkehrmöglichkeiten wie “Teuter Hof”, “Alte Mühle” oder die Burg Wilhelmstein. Auf Burg Wilhelmstein werden auch auf überdachter Bühne kleinere Konzerte aufgeführt, z.B. ist dort Götz Altzmann gerne zu Gast. Nahe an Burg Wilhelmstein waren auch immer noch die Auswirkungen von Kyrill zu sehen, eine vormals dicht bewaldete Stelle war zum Kahlschlag mutiert.







Holland war jetzt nicht mehr weit, Kerkrade war fast schon in Riechweite. Doch, wie so oft in letzter Zeit, war ich zu spät losgegangen, es ging schon auf den Abend zu. Um jetzt noch einen schönen Weg für das letzte Stück zu suchen, war es fast schon zu spät. Denn gerade in Grenznähe gibt es dort sehr wenige Stellen, an denen man ins andere Land rüberkommt, trotz offenener Grenzen. Es gibt einfach sehr wenige Wege, und ein Verlaufer bedeutet gleich einige Kilometer umweg. Und, ich muß ehrlich sein, mir taten die Beine doch schon ein wenig weh. Ich bin dann sozusagen kurz vor dem Ziel noch abgedreht und zum nächsten inländischen Ort vor Holland, Horbach, gegangen. Von dort aus dann wieder mit dem Bus Richtung Heimat. Meine 28 Kilometer hatte ich auch ohne Grenzübertritt schon erreicht, und das fand ich mehr als reichlich.



Beim nächsten “Versuch” werde ich erst in Horbach loslaufen, um den “schönen” Weg bis Holland zu suchen, und dann werde ich auch noch bis Heerlen weitergehen, den Ort, den ich schon seit Jahren im Hinterkopf habe, dass ich zusammem mit meinem Bruder einmal von Brand bis Heerlen zu Fuß gehen möchte. Und solange wir noch nicht zu alt dafür sind, sollten wir das in Angriff nehmen!

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