Letzten Freitag war eine etwas weitere Strecke vorgesehen, auf dem E8, dem europäischen Fernwanderweg Nr.8. Ich begeitete dabei Katharina, die sich für den Jakobspilgerweg warmläuft, den sie ab nächstem Jahr in mehreren Etappen von hier bis Spanien angehen möchte. Was ich dann am Freitag erst erfuhr, war, dass unsere Tour schon Teil ihrer Gesamt-Wanderung ist. Im kommenden Jahr startet sie zusammen mit einer Mitwanderin in Rheinbach, einem Ort in der Eifel, der auf einem der Jakobspilgerwege Richtung Süden liegt. Und wir waren nun schon auf dem Weg Richtug Rheinbach.
Der Teil des E8, auf dem wir unterwegs waren, ist zugleich Teil des “Wanderwegs der deutschen Einheit”, des “Krönungsweges” und des Matthiasweges, allesamt bekannte Wanderwege. Unser Startpunkt war die Pfarrkirche St. Donatus in Aachen-Brand, wo wir gegen 9 Uhr starteten Unser Ziel war noch offen, wir wußten noch nicht, wieviel wir schaffen würden. Wir wußten nur, dass wir am Ziel von meinem Vetter Jürgen, Katharinas Mann, abgeholt würden. Bewaffnet mit Landkarte und GPS-Gerät ging es los, einer guten Kombination, die sich so gut ergänzte, dass wir uns nicht verlaufen konnten. Von Brand ging es über Kornelimünsterund Hahn zunächst bis nach Mulartshütte. Schon hier wich die Streckenführung etwas von der Strecke ab, die auf der Wanderkarte vorgegeben wurde. Die Wanderzeichen entlang der Strecke waren zum Teil in bestimmte Richtungen durchgestrichen und wiesen eine neue Richtung auf. Wir hielten uns aber an die “alten”, auch in der Wanderkarte gezeigten Verläufe und kamen auch so weiter, wenn auch die Wege teilweise schon etwas verwildert waren.
Von Mulartshütte an ging es dann stetig bergauf. Wir hatten, noch im Ort, eine erste kurze Rast gemacht, bei der uns und unsere Vorräte eine Katze nicht aus den Augen ließ, die sich zwischen uns auf dem großen Sitzstein niedergelassen hatte. Gestärkt konnten wir dann die lange Steigung angehen, die insgesamt gut zu schaffen war. Wir waren am Ende aber froh, an der höchsten Stelle angekommen zu sein. Hier verließen uns einige unserer Begleiter, die den Strapazen nicht weiter gewachsen waren. 3 Zucchini-Frikadellen hauchten ihren Odem aus., wobei sie unser vollstes Mitgefühl hatten
Im weiteren Verlauf entschieden wir uns für eine Abkürzung. Es sollte eigentlich in einem weiten Bogen die Kalltalsperre berührt werden, was uns entschieden zu weit war. Es gab eine kürzere, schnurgrade Verbindung, die wieder auf den ursprünglichen Weg führte. Das Ganze war ein wenig ein Glücksspiel, da der Weg auf der Karte den Anschein machte, nicht ständig genutzt zu sein. Solche Wege können manchmal irgendwo im Nichts enden, es läßt sich nicht immer abschätzen. Aber das Abkürzen des Weges war zu verlockend, wir wagten es. Der Weg war wirklich ein wenig verwildert, ab und zu versperrten umgefallene Bäume den Weg, dennoch ließ er sich recht gut gehen. Erst gegen Ende verlief er wirklich ins Nichts, ein Bach ohne Bachbett lief sozusagen über den Weg, wir mußten querfeldein. Mein GPS zeigte aber, dass wir ganz nahe beim Einstieg auf den ursprünglichen, langen Weg sein mußten, und so war es dann auch. Der Weg war wieder breit, und kurz darauf stießen wir auf eine Straße.
Hier jedoch ließ sich weder auf der Karte noch auf dem GPS-Gerät klar erkennen, wo es nun weitergehen sollte. Die Straße machte an der Stelle gerade eine Serpentine, und das Kartenbild suggerierte, dass mitten in dieser Spitzkehre ein Weg sein müsse. Zu sehen war er allerdings nicht. Erst nach ein wenig suchen fanden wir ein wenig abwärts unser Wanderzeichen sowie den zugehörigen Weg. Es kam die letzte Etappe der Wanderung, wir wollten nur noch bis zu dem Ort Simonskall gelangen, der noch vielleicht 3 Kilometer entfernt war. Es war die bisher schönste Passage der Wanderung, es ging durch lichten Laubwald weit oberhalb eines Bachlaufs entlang, der durch die Bäume immer wieder zu uns hochblitzte. Wäre Sonnenschein gewesen, wären sicher schöne Fotos herausgekommen, aber leider war es etwas bedeckt und finster, kurz darauf fing es auch zu nieseln an, weshalb ich die Kamera im Rucksack ließ.
Bald kamen wir ins Simonskall an, wo wir uns in einem Café ein Bier schmecken ließen. Ca. 25 Kilometer hatten wir geschafft, die Kräfte hätten auch noch weiter gereicht, draußen wurde es jedoch allmählich dämmerig und so war es uns recht, uns bald in die Sitze von Jürgens Auto fallen zu lassen, den wir schon eine Weile vorher per Handy nach Simonskall bestellt hatten. Und die nächste Wanderung ist schon ins Auge gefaßt, vermutlich wird es dann von Simonskall bis Gemünd gehen. Möge das Wetter mit uns sein!